..letzter Morgen am Canale…

Letzter Morgen am Canale…..

Geist lockt Geister an, könnte man sagen, aber was lockt den Geist an.
Es sind seine eigenen Hervorbringungen die er im Schilde führt, sozusagen die Anrufung seiner selbst gepaart mit der Widersprüchlichkeit irdischen Da Seins.
Wie nur sonst haben es die Venezianer geschafft auf dem zweit flüchtigem Element nach Luft, auf Wasser zu bauen?!?

Das milde Gekräusel am Morgen auf den Kanälen scheint das sowieso Flirrende des Geistes nochmal zu inspirieren. Die Farben ändern sich ständig man lebt
als Unproduktiver (im Sinne irdischer Wirtschaftlichkeit) Kreativer gerne in diesem Gewebe des Unsicheren aber doch beständig Verfasstem. Ähnlich einem Körpersack der ja auch vorwiegend aus Wasser besteht und wo die Dicken besonders schwer zu verbrennen sind wie mir der Kremierer des Krematoriums auf St. Michele bestätigte. Nur um hinterher zu schieben das alte Frauen schnell weg gebrannt sind, wegen der Osteoporose, die weniger Knochensubstanz übrigläßt. Ich nehme an dass wird sich irgendwann aufs Preisgefüge der Kremieren niederschlagen. Die Fetten so viel, die Dürren etwas weniger, dafür dann ein letzte edles Holz. Was hier gespart wird, wird dort ausgegeben, ein beständiger Wandel im Unbeständigen der Zeit.

Wo anders holt einen der längliche Wagen ab hier ist des der Nachen der einen sprichwörtlich ans andere Ufer schaukelt, dort wo im Wasser gebaut, dem feuchten Element des Beginns die Zeitlosigkeit Urständ abhält.

Man lebt hier gerne besonders im 20 Jhdt. Es gibt keine Autos, noch nicht einmal Strassen, wo sonst gibt es so etwas heute noch.
Alles scheint Jeden und das Übrige zu bedingen. Es ist ein Biotop des Gelingens, selbst der Arme Hund und Dichter wird gehalten durch diese Vernetztheit der Gassen und Kanäle, die gleich einem Körpersystem Abfuhr für Cloacke, Selbstreinigende ausscheiden und in den höheren Stockwerken auch noch die Vernetzung der Snyapsen gut gedeihen lässt.

Pound lebte die letzten 20 Jahre hier, ebenso im Widerspruch finanziert von den Wertpapieren seiner Frau der Geigerin und schimpfend eben auf dieses unproduktive am Geldsystem. Wo ein Mann vielleicht 1, 2 Häuser besitzen kann, aber nach dem 3. stimmt was nicht, er tut nichts mehr dafür, die Realwirtschaft geht baden. Da aber Venedig sowieso beständig im Bad sozusagen steht, spielt das hier überhaupt keine Rolle. Das Böse wird sofort transformiert in den guten Aspekt des Geistes, das webende Leben und dient diesem nur als lästiger aber notwendiger Brennstoff. Man schaukelt auf diesem Lagunenschiff durch das tägliche Dasein, wohlwissend dass die Verflüssigung allen Lebens nicht all zu weit entfernt ist und genau diese Erinnerung an die Unbeständigkeit des Stoffes ermöglichte hier eine Blüte desselben. Handel und Wandel…..

Gelegentlich ertappe ich mich (und nicht nur hier) dabei irgend so ein Schreiber zu sein, wie Pessoa in einer Handelsgesellschaft ein paar Stunden am Tag die Kladden zu führen, als notwendiges Übel um danach dem Eigentlichen, dem verfeinerten Stoff zu frönen, Buchhalter und Dokumentarist einer Zwischenwelt zu sein.

Letztlich ist auch dieses Venedig eine Art Ver – Dichtung, ein Sinnbild des Lebens und Sterbens ein Gewusel von Adern und Knochen, pulsierender Energie inmitten sich sehr langsam hinziehender Verrottung allen Lebens. Aber dafür hat man am Ende dann die Insel. Ab auf die Insel irgendwie wird es da schon weiter gehen in den Entdeckungen und Regsamkeit kosmischen Geplappers.

Aber man vergesse nicht, welche Mühe, welches Wissen und welcher Wille es benötigte, alles Urgeistige Eigenschaften, dieses Gebilde irdisch werden zu lassen. Was hier an Kultur geboren wurde, klar vernetzt mit christlichem Glauben, der auch fast an jeder Ecke in From eines Kirchlein oder kleinerer Kathedralen Erinnerung mahnt, was an Kraft möglich ist aus einem Bereich der gänzlich unphysisch mitten im Leben zu stehen scheint auf dass man diese ergreife.

Das scheint das zentrale Moment zu sein. Zur rechten Zeit, am rechten Ort, die Anrufung des Geistes paaren mit irdischer Möglichkeit.

Wie oft habe ich falsch gelegen und sehne mich im Grunde nach dieser Deckung von gefühlter Kraft, Intelligenz und Umsetzerischem Pendant.

Stattdessen wandere ich in ewiger Miete auf die geistigen Pfründe unserer Vorfahren und erinnere mich viel zu selten an die uns schlummernde Möglichkeit diesen nach zu fahren.

Das aber ist Ergebnis der Atomisierung allen Lebens vielleicht mit Beginn dessen „Befreiung“ der französischen Revolution.

Gebundenheit also Re – ligio scheint mir erspriesslicher als das überzüchtete „libertäre Alles“.

Venedig ist eine freundliche Mahnung hierzu, die es uns ermöglicht tiefer hineinzusteigen in diese Verpflichtung auch wenn das äußere Bild im Tourenden heute
die innere Dimension beständig zur Verdrängung auffordert und den Einzelnen damit täuscht er sei ja in diesem Gewebe sicher vor weiteren Abgründe.

Moriturii te salutant, haucht die Toteninsel in die Morgenluft. Das sollten wir uns zu Herzen nehmen und den Tag nach unseren Möglichkeiten und Gegebenheiten mit der Maßgabe der Veränderung angehen.

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