Blatt

Blatt im Wind
bei Seite gelegt
tragen die Fernen
eher
als ein Baum
der sich erleichtert
von seinem Kleid

In den Hängen
Unbekannten Seins
wachsen jene Früchte
deren Samen
enttäuschte Flüchtlinge
von Ziersträucher waren

Schmetterlinge stellen
dort ihre Not
vor die Haustüre
einer bekannten Sehnsucht
und trudeln wie
Lachse im Sprung
den Rausch auf Kommendes

Verloren gegangen
trennt sich der Weizen
von seinen Ähren
den alten Fehlern
die ihn Wachsen ließen
hin zur Ernte
dem Brot am Rand
eines Weines

Dort wo die Träume
in eine
behauptete Wirklichkeit
sickern
und ihr Zelt,
nach Osten gerichtet,
zur Heimkehr einlädt

Im Tagschatten
halten wir die Luft an
um sie Vorübergehenden
als Andenken zu überlassen
und das Stigma
ungeborenen Lebens
mitten im Dasein
zu bezeugen

Derweil uns
ein Vergessen heimsucht
das „Erkenne Dich selbst“
an dessen Etikette wir
kleben wie ein Kreuz
welches seinen Schattenwurf
nicht kennt

Wenn
Unerinnerbares
Richtschnur
von Handeln wird,
nicht dass es versandet ist
oder verdrängt,
weil es
wie ein Schatten
im Zentrum einer Flamme
nicht vorhanden war,
erklimmen die Mänaden
orphisches Sein
wieder
es erneut
zu schlachten

In den
verkommenen Arenen
moderner Telekratie
wo sich die Münder
übereifern
in der Nabelschau
des Nichts
um doch noch
ihrer vergifteten Hoffnung
auf Geschichte
ein Tabu hinzu zu fügen
welches sich melken läßt
scheinbar
Tag und Nacht
Jahr um Jahr
so lange als
dieses goldene Kalb
sich
als schlechte Kopie
der Geschichte
von den neuen Kleidern
eines Selbstgefälligen Kaisers
entpuppt

Noch wählen wir
und stellen
den Unmut an das Bein
eines Fremden
weil wir
den eigenen Mut
verkannten
bis uns die Füße
nicht mehr tragen
und die Wahl
auf uns selbst
zurückfällt
den Schwerfälligen
die in den Abgrund
der Macht
ihre Augen
nicht richten

Dort
verkehrt sich die Welt
in das Gegenteil dessen
was erzählt wird
oben wird unten
unten wird oben
die Windrichtungen
erzählen ihrem Gegenüber
dass ihr Süden im Norden
und ihr Osten im Westen liege
und Ungläubige jetzt die sind
die vormals
das moderne
Evangelium des Unglaublichen
auswendig
in allen Zahlenreihen
durchtransponierten
und Hymnen
angereichert mit
altem Weihrauch
in ein
zivilisatorisches Kleid
verpackten
löchrig genug
den verdorbenen Faden
im Gebet der Händler
zu durchschauen

Voraus Schauende Anpassung
ermöglicht den Betrieb
zu Gunsten des Betriebenen
die Zersetzende Kraft
reibt sich ab
am Aufbauenden
welches im Glauben
an die bessere Zeit
nach vorne schaut
und das Janusgesicht
in eine lächerliche Veranstaltung
von Gestrigen
verdrängt

Das Blatt
wendet
sich schon immer
im Flug
wenn der Boden
seine Nähe
im Herbst bereitet
und all Licht
sich im Keimen
neuer Kräfte
versammelt

Im Dunkel
kreuzt Sonne
ihren besten Freund
blendet nicht
mit Worten
nimmt das Gestern
mit
in das Heute
leuchtet noch
in die entlegensten Felder
die unbebaut
auf ihre Samen warten,
Ernte
von Vorgestern

Auf den Terrassen

Auf den Terassen
unserer Trauer
treiben wir
den Klageton
in unbestimmte Zeit

Die Himmel
warten
und neigen sich
den Rufenden zu
dass das Machbare
im Ungeformten bleibe

Wie die Ähren
neigt sich da unser Ansinnen
von Dauer zu sein
in ein weites Feld
emporsteigender Gedanken
die im Schatten geboren
dem Lichte zu wachsen

Dort versammeln sich
die Gebete am Sein
welche jene Grenzen öffnen
die der Ohmacht ihre Form gaben
im Wahren der Worte
die im Äther zum Schweigen
verklingen

Werktage
die zu Sonntagen werden
und das Leid
zum Trocknen
in den Wind hängen
dort, wo die Katakomben
ihren letzten Atem
ins Land entlassen

Auf den Seen
meiner Ahnung
schimmert kupfern da
die Klage an das Weite
und verblasst schon
als der innere Sturm
sein Dasein fordert

Wie können wir
übersteigen
was uns an
Tag und Nacht
gegeben ist,
die doch sind,
Vergessenes
im Abendlicht zu erinnern
und den Morgen
in seinen Untergang zu führen

Die Bücher des Lebens
lehnen unbeschrieben dort
wie eine junge Rinde
an der Erwartung
kommender Zeit
wie ein Strom
der in den Ästen noch
sein Fließen erfindet

So warten wir
in den Augenblicken
die schon immer
ihren Platz
im Unsagbaren bebrüten
werden Geringer
da uns das Verschwinden
in eine
andere Größe
entführt

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Mensch

Ein Mensch der von seiner Geschichte entkernt wurde, hat keine.

Er lebt nur die Illusion eines Gegenentwurfes, ein Larvendasein welches den Schmetterling nicht hervorbringt und über das erste Stadium nicht hinaus kommt.

Ein tragischer Beigeschmack seiner Möglichkeit in dem er sich eingerichtet hat, immer mit dem Aroma ungelebten Lebens auf der Zunge.

Es ist die Gradwanderung einer Fantasie, die keine Dauer hat und dem Andauern eines fremden Zustandes, dem wie einem fernen Freund die Gegenwart einer Hoffnung mangelt.

Deshalb sehen wir im Außen, was unserem Inneren fern ist, nur um der Nacht den Anschein eines Tages bei zustellen.