Bin

Bin müde,
von zuvielem Durchgstrichenem
welches mir unter die Haut fuhr,
dem Abraum einer Erinnerungskultur
die meinen Atem zersetzt
Stehen wankend macht
und mein DaSein
in einen Vorhof
des Fragwürdigen verwandelt.

Dort
sind die Tage lau
all zu lau,
denn das Kleid
des Dissidenten
flattert wie wildes Herbstlaub
mit sich um die Wette
und die überaus kunstvoll
gehäkelten
Spitzendeckchen die jetzt
meine Träume umgarnen
fangen an ihre wahre Identität
auszuschwitzen

Welche Sprache
soll ich noch sprechen,
wenn viele Dialekte
durchdekliniert wurden
und das Wort immer noch
zittert wie ein junger Vogel
der den ersten Sprung
aus dem Nest wagt.

All zu lange
wurde so geredet
als könnten wir uns
die nächsten Jahre noch leisten
ohne an Karma & co.
und an der Geschichte
aus der wir hinausgeworfen wurden,
anzuecken.

Währenddessen
beschlich uns heimlich
ein Gefühl
des Ungenügsamen
eines Mangels den wir
lange nicht begreifen konnten,
da er tief in den Gräbern
unserer Väter verborgen war.

Eine Altlast
die uns lähmte
und fesselte, als sei
jedweder Entwurf zu Neuem
zum Scheitern verurteilt
und ein einbalsamierter Kult
falscher Erinnerungen
der uns das Recht
zum DaSein abschnürt.

Unsere Seelen schreien,
rufen nach Erlösung,
die uns wie eine Fatamorgana
narrt,
da wir die Bedingungen der Wüste
nicht kennen
die heißen Tage
die kalten Nächte…
in der eine x-te
„lost generation“
um die Lagerfeuer springt
als hätte ihnen Rumplestilzchen
ihre Heimat weg genommen

Wenn wir den Faden aufnehmen
der sich täglich vor unseren Augen windet
finden wir Artefakte unserer Spuren
die sich in den Irrwegen
vermeindlicher Weltgestalter
zu schönen Formen verheddern
Rinnsale von Gedanken
die in unseren Entwürfen stochern
als hätten sie kein Gestern
und ihr Morgen wäre der
verzweifelte Versuch
sich ihrer Vorgestern
zu vegewissern

Unsere Gesänge wurden zu Klagen
einer undurchdringlichen Nacht
die ihr Feuer in den Hinterhof
versuchter Versammlungen stellte
dort, wo jetzt die jungen Katzen
ihr Glück versuchen
ohne je eine Straße gesehen zu haben
Beim Überqueren unserer Gefühle
überfahren wir den Geist
der diese noch
mit beserer Aussicht hätte
ausstatten können.

Doch wer Geist, wo Geist…
wir fahren ins Nichts
und nichteinmald erwischen wir
einen Fuchsschwanz
Rufen jedoch mit unseren
in den Wind gestellten Wörtern
jede Menge Erinnerungen hervor
die wie Schatten an den Wänden
unbestimmter Tage ihre Flucht wagen,
denen wir nachstellen,
auf dass sie uns gnädig sein mögen
und erhaschen doch nur
einen Abklatsch von Ratloßigkeit
mit dem faden Beigeschmack
von abgelebten Jahren

Der Felsgenagelte
sich selbst Erneuerer
der von seinem Geist Zernagte
rumort sich durch die Jahreszeiten
die auf geschmolzenem Schnee
davon fließen
hinauf in die Berge
wo sie überwintern
den Angriff zu erwarten
den die ersten warmen Tage
bringen werden
wenn das Eis der Absicht taut
und die Erde
ein schlüpfriges Unterfangen wird

Dort reicht man sich wieder
den Tod von Hand zu Hand
wir wußten dass er kommt,
wir sprachen darüber,
bevor noch der letzte Atemhauch
seine Gstalt beschwor
WARUM?….


diesesmal aber sind die Schlachtfelder
mitten in uns
der Krieg ist endlich
zur persönlichen Sache
jedes Individuum geworden
und die Psychologen die uns
darauf vorbereiteten, innere Fahrten
der Odyssee zu meistern,
werden jetzt zu Generälen
des Vergeblichen,…
ihnen ist der Treibstoff
abhanden gekommen
jener Kitt, der den Menschen
in seinem Stamm heilen läßt,
fern der Idee einer
funktionierenden Einzelheit

Das Rondell der Einhegung
dreht sich und dreht sich
die große kybernetische Maschine
frißt ihre Kinder
und zermalmt deren Geschichte
die furchtsam
durch unfertige Entwürfe winzelt
überwölbt von den strategischen Entwürfen
unbekannter Historienplaner
denen wir nur graues Schachbrett sind
auf dem die Zeit
neu justiert-
und der Anfang frisch
belogen wird

Wir verbringen die Tage
wie halb Gelähmte,
gefüllt mit dem Gift der Klitterung
sitzen wir in den Katakomben
unserer Selbstzweifel
und warten auf den nächsten Einschlag,
dort wo der Weg von vorne beginnt
nachdem seine Spur vergessen wurde

Der Gedanke an eine Flucht
verflüchtigt sich an Gesichts noch
funktionierender Wärmehallen
die uns gepredigt wurden
aufzusuchen
in den Kreissäälen von Provinzsparkassen
dort wo wir in Schlange stehen
um allerletzte Scheine
an unsere erfrorenen Zehen zu kleben.

– Ob wir eigentlich wüßten was
Fußlappen seien – fragte uns damals
unser militärisch geschulter Ausbilder
in der Jugendmusik….


Wir erfahren es wieder
an den unsicheren Bewegungen
der Menschen
die orientierungslos
die letzten Krümel ihres DaSein
in den stummen Mund führen
Wie Fischmünder
öffnet sich das obere Loch
des Logos
und ertrinkt
im Wahnwitz der Zeit