poems in the rooms

es ist zeit geworden….

es ist zeit geworden…
kleine sekundenfragmente
stammeln im erguss
eines nachmittages
wie wespenstiche
einer falschen verheißung
mein gemüt,
lassen offen
was längst verschlossen ist
und bemächtigen sich so
der möglichkeit
den ausbruch zu wagen,
türen die nie verschlossen sind
endlich zu versperren
den narr in mir
auf den plan zu rufen
der die sterbehilfe
meiner gedanken
zu unkenrufen der tat
verführt

es ist zu spät geworden…

es ist zu spät geworden…
 
die besetzten gebiete einer identität
die mir nicht gehört
taugen nicht mehr
um meine ohnmacht
in eine sprache
des dialogs zu verwandeln,
ein spiel,
welches selbst nur
von den fintenreichen claims
apostolischer missionsversuche
gerechtfertigt wird…
 
da,
wo es schon zu spät ist
werden nicht mehr
argumente gelten,
sondern das alte
grausame recht
der bewegung der massen…
 
das daraus entsteht
ist das
ganz andere
wir werden es erfahren
jeder nach seinen filtern
kategorisierend,
wird es die filter trüben
und unsere
interpretationsversuche schwängern,
so wie ein übertragenes kind wirkt,
wenn es seinen nächsten,
seine mutter belehrt,…
 
die es noch nicht kennt
als säßen wir
am rande einer verdorrten wüste
der einsamkeit

ich fürchte…

ich fürchte den tag
der wie eine halbfertige perle
um mich glitzert
ein matter schimmer
meines muscheldaseins
ein verwaschenes aquarell
schnell erledigter eindrücke
die hast
vom moment zu moment
als seien diese
insel des aufenthalts
die mir nie genug
weite bieten
in meiner reise
von einer
zur nächsten
verzweiflung…
 
die tage rauschen dahin
wie ein alter vertrockneter gebirgsbach
ein rinsaal von vermutungen
was die nächsten stunden bringen werden
und ob dies mit mir
überhaupt etwas zu tun haben könnte…
 
so verharre ich
im zustand des ungeborenen
und bringe doch ständig
skizzen meiner selbst hervor
die wie hilflos wimmernde babys
in den täuschenden kategorien
einer erwartung
auf ein zeichen,
ein wort nur,
eine hinwendung
des einvernehmlichen
und mitgehens
warten…
 
leise ohne ein wort
wie eine von übermächtig süssem duft
geschwängerte ahnung der ankunft

die schatten…

die schatten der nacht
träumen ihren traum
zu ende
als ich mich dabei ertappe
ihre geschichte zu erfassen
die zügel ihrer botschaft
im angesicht des tages
in griff zu bekommen
und das diktat
meiner interpretation
wie der hilflose versuch
eines ertrinkenden wirkt,
eines selbstmörders
der noch mit seinen armen
um sich schlägt
obwohl er sich
auf den grund
des meeres sehnt…
 
die regentschaft
meines bewußtseins
möchte sich da
im letzten moment
mit den kräften der tiefe verbrüdern
um des lebens willen
welches in seiner alltäglichen form
an den leitplanken
einer sozialisation
entlangschrammt…
 
sind wir nur
flüchtige beweggründe
unserer träume
die ein tag erdenkt
und die nacht
gebiert?

der handel…

der handel mit der lüge
schafft wahre abgründe
einen tiefen schlund
von billigen vulkanen
die den totentanz
in erwartung
ihrer zerstörerischen eruption
wie das gespenst
eines wahren ereignisses
vor sich hin lügen
und den
sauerteig der interpretation
der angeblich
das getriebe der welt
am laufen hält
an die finger der geschichte kleben,
die wie der eitrige ausfluss
einer pestbeule
von den brunnenvergiftern
des mitmenschlichen
über das land der hoffnung
gezogen wird

die nebenkosten…

die nebenkosten
des seins
sind beträchtlich
sie übertreffen sich
im versuch
sich in den gemieteten tagen
die sich
in einer verbleibenden neugierde
still eingerichtet haben,
als wesentlich
in die kalkulation
meiner erinnerung
einzurichten
um meine existenz
zu hinterfragen…
nachzahlungen zu verhindern
stelle ich kerzen auf
um im
windbewegten flackern der flammen
mein leben
wenigstens zu spüren…
verloren im dunkel
um wieder
zu finden,
so zahle ich
in DA SEIN

tage…

tage zählen
ihre resonanz
in stunden
vergeblicher achtsamkeit
erspüren die melodie
und den
unsichtbaren rhythmus
ihrer existenz
und
überschütten mich
mit einer symphonie
kaum hörbarer
wahrnehmungen…
die aber nicht
so genannt werden können,
weil viele themen in dieser musik
nur ein versuch darstellen
das
eine
vom
anderen
zu scheiden
obwohl
im zusammenspiel
von klang, puls und ton
sich eine bewegung erzeugt,
die mich
in ihre welt
entführt

müdigkeit…

müdigkeit
legt sich
wie eine große
wärmende decke
auf den versuch
den beginn eines neuen tages
zu ergründen.
er ist grundlos
das weiß ich schon
bevor er am abend
die vielen murmeln
seiner verflossenen stunden
zählt.
grundlos und ohne schuld.
er tritt in meine existenz
ohne zu fragen
ob ich ihn haben will,
ist einfach da,
ist immer ein anderer,
der ich werden will
und gestaltet in meinem
allmorgendlichen
bild der gleichen stimmung
die konturen
mischt seine farben
auf der palette des seins…
rahmenloser versuch,
entwurf
eines raumes aus zeit

meine Trauer…

 
meine trauer                                                mon deuil
trifft sich                                                       croise
mit der erkenntnis                                     le sentiment
dass ich                                                        que pendant
lange zeiten                                                longtemps
nicht existiert habe,                                  j’existais
obwohl ich lebe,                                         sans vivre
schatten einer mir                                    que je suis l’ombre
unbekannten welt                                    d’un monde
bin,                                                              que j’ignore,
der                                                               que je
sein da sein                                               vivote
in                                                                 en  rêvant 
vorstellungen                                           à
von dem fristet,                                       ce que je
wie er                                                        devrais
zu sein hätte…                                         être…
so schwebe ich                                        ainsi je plane
in der entfernung                                  loin de
einer                                                         de ce qui n’a
nie gewordenen zeit                              jamais été
erlebe ihren verlust                               je vis la perte
und                                                           et
freunde mich                                          je commence à
mit einer                                                 accepter
erschöpfung an,                                    la fatigue
die jedem                                               qui précède
neubeginn                                             un nouveau
vorausgeht                                           commencement       

mein Nahziel…

 
mein nahziel                                      mon objectif proche
ist                                                         est
die ferne                                             le lointain
dort angekommen                           arrivé là
spüre ich                                             je perçois
nähe                                                    la proximité

Entwischt…

Überlingen 02.05.2011

entwischt
im vorbeiflug
kaum
dass spüren
eintrat
in nächtliche
wandelhallen
des unbestimmten,
ging er vorüber
wie der tod
eines ungetauften kindes
ein kleiner traum
der sich ungewöhnlich hell
und
freudig zeigte
als gäbe es
in der welt des unbewußten
noch unbewußteres
welches uns
kurz nur
einen wink
sendet
kurze freude,
hauch
einer anderen
wirklichkeit
Entwischt                                                            Echappé
im vorbeiflug                                                      en passant
kaum                                                                     dès
dass spüren                                                          que  le sentiment
eintrat                                                                   entrait
in nächtliche                                                        dans la
wandelhallen                                                       salle des pas perdus nocturne
des unbestimmten,                                             de l’indéfini,
ging er vorüber                                                     il passait
wie der tod                                                            comme la mort
eines ungetauften kindes                                   d’un enfant non baptisé
ein kleiner traum                                                 un petit rêve
der sich ungewöhnlich hell                                qui se révélait étonnamment clair
und                                                                          et
freudig zeigte                                                         joyeux
als gäbe es                                                              comme s’il existait
in der welt des unbewußten                               dans le monde de l’inconscient
noch unbewußteres                                              un inconscient de plus
welches uns                                                            qui nous
kurz nur                                                                  enverrait
einen wink                                                              bien brièvement
sendet                                                                      un signe
kurze freude,                                                          joie éphémère
hauch                                                                      souffle
einer anderen                                                       d’une autre
wirklichkeit                                                           réalité

die kleinen siege…

die kleinen siege
am beginn der tage
tanze ich
auf dem dünnen drahtseil
der erinnerung
welches mich schwanken läßt
und jeden nächsten schritt
in eine fatah morgana des aufbruchs
verwandelt,
um so mehr
als ich mich bewege…
 
auf der anderen seite angekommen
spüre ich,
dass ich mich nie
verlassen habe
und diese prüfung
eine narretei
meiner ängste ist

ich lebe…

ich lebe
in den vergeblichen stunden
meines versuches
DA zu sein,
baue mir
kleine zelte des aufenthaltes
die beim
nächsten wind der stille
wie
unbeholfene bauklötze meiner kindheit
in sich zusammen fallen…
nackt und frierend
stehe ich dann
auf einer weiten ebene
in der sich
alle richtungen anbieten
wie die vielen blicke eines abends…
mich jedoch,
der sein eingestürztes SEIN betrauert
stammelnd
in einem versuch nach weite
zurücklassen

ich bin…

ich bin
mein eigener dienstleister
eine kleinunternehmung
der unnützen alltäglichkeit
in der sich
angebot
und
nachfrage
nach dem kostbaren gut
ungelebter stunden
ähnlich wie das streunen
von pechschwarzen katzen
der nacht verhält…
ahnungsvoll erhaschen wir 
bewegung
dort
wo schon nichts mehr ist…
doch genau dieses NICHTS
infiziert meine gedanken
im angesicht
einer schattenhaften begegnung
mit mir selbst
in einem
abgelegenen schaufenster
des seins

Ich versprühe…

München

ich versprühe mich
am abend
meiner tage
in ein loses blatt
der erinnerung
welches in
kryptisch verblassenden zeichen
von hoffnung singt.....

aber nicht
die unsichtbaren buchstaben
sind es die tanzen
vielmehr fügt sich
das rascheln des papiers
unerkannt
in seinem zittern
zu einem häuflein
asche zu werden,
in die
lautlose symphonie
versuchter tage...

das werk aber
ist gelingen
da es
nie
zu stande kam